LNK unterstützt pflegende Angehörige

Frohe Aussichten bei einem ernsten Thema


Psychiatrie-Fachkrankenhaus Dr. Spernau und Universität Bielefeld bieten nachhaltige Unterstützung

Von Stefan Backe
Pflegende Angehörige tragen eine enorme Last. Das gilt bei Patienten mit körperlichen Problemen - das gilt vielleicht noch mehr bei Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ein Pilotprojekt in Bad Salzuflen verspricht jetzt konkrete Hilfe. Bad Salzuflen. „Gerade eine psychische Erkrankung endet nicht mit der Entlassung, sondern setzt sich oft langfristig fort. Hier sind die Angehörigen extrem wichtig - stehen jedoch oft hilflos vor der Situation“, sagt Alexander Spernau, Geschäftsführer des Fachkrankenhauses für Psychiatrie und Psychotherapie „LNK Dr. Spernau“ in Bad Salzuflen. Und genau hier setzt das neue Beratungs- und Schulungsangebot ein. In Pflegetrainings noch während des stationären Aufenthalts können die Bezugspersonen der Patienten mit ins Boot geholt werden, um den Alltag später mit besserem Wissen bewältigen zu können. Mehr noch: Bis zu sechs Wochen können die Klinik-Mitarbeiter anschließend die Teilnehmer zu Hause besuchen und weitere Hilfestellung geben. Diese können sich bei sehr schweren Erkrankungen durchaus auf Pflegetechniken beziehen.
Im Kern geht es jedoch um die ständige Beziehungsarbeit, die das direkte Umfeld eines psychisch kranken Menschen rund um die Uhr zu leisten habe. „Zum Beispiel Depressionen belasten Angehörige oft viel mehr als andere Krankheiten. Die Patienten verändern sich, fühlen oder reagieren nicht mehr wie gewohnt. Das ist für das Umfeld sehr schwierig“, erklärt Alexander Spernau. Den häuslichen Bezugspersonen komme die Aufgabe zu, eine aktivierende Pflege zu betreiben, die den Erkrankten eine feste Tagesstruktur und die Teilhabe am Leben ermögliche. Liege ein Mensch mit Depressionen aber zum Beispiel einmal antriebslos im Bett, sei für Angehörige nicht gleich offensichtlich: Kann oder will er nicht? Rainer Kleßmann, Pflegedienstleiter der „LNK Dr. Spernau“, betont: „Wir erarbeiten zusammen, was die Angehörigen tun können - nachfragen, stupsen, beobachten. Woran erkenne ich frühzeitig, wenn der Patient sich wieder in einer Abwärtsspirale befindet?“ Sonja Bergenthal von der Universität Bielefeld ist froh, die Salzufler Einrichtung als Pilothaus für Lippe gewonnen zu haben: „Die Forschung hat gezeigt, dass generell viele Menschen selbst Pflege übernehmen wollen, aber oft aufgrund von fehlendem Wissen überfordert sind.“ Ihren Angaben zufolge würden 70 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu Hause gepflegt. Davon sei jedoch rund die Hälfte ohne jede Hilfe. Diese Quote dürfte dank der „LNK Dr. Spernau“ auf jeden Fall sinken. Immerhin zeichnet sich das Projekt auch dadurch aus, dass die Angehörigen die Hilfe ohne große Formalitäten und kostenlos nutzen können.

Einige Angebote für alle offen

Als Akutkrankenhaus gewährleistet die „LNK Dr. Spernau" die Versorgung im nördlichen Teil Lippes, nimmt aber auch überregional Patienten auf. Die Fachklinik mit 125 Mitarbeitern verfügt über 101 vollstationäre Betten, 15 teilstationäre Betten in der Tagesklinik sowie eine Am-bulanz. Abgedeckt wird das gesamte Spektrum der Psychiatrie wie Depressionen, Demenz, Psychosen oder Sucht. Das Projekt für pflegende Angehörige wurde vor zehn Jahren initiiert vom Land NRW, konzipiert von der Universität Bielefeld und gefördert durch die A0K. Sind im Bereich der körperlichen Pflege bereits mehr als 300 Krankenhäuser am Projekt beteiligt, werden nun psychiatrische Kliniken integriert. Neben der Hilfe für Angehörige von Patienten gibt es in der „LNK" auch Kurse und Gesprächskreise, die für alle Interessierten offen sind.
Informationen: @ (05222) 188422 oder www.lnk.de (bas)

Weitere Informationen erhalten Sie über den Flyer „Pflegerische Unterstützung für Zuhause“ im Bereich „Aktuelles – Downloads“